“Neue Blitzer sorgen für Gewinn”: Beispiel für ungenaue Berichterstattung aus Hessen

Nicht immer sind es die Kommunen, die mit ihren teilweise undurchschaubaren oder fragwürdigen Methoden die Akzeptanz von sinnvoller und effektiver Verkehrsüberwachung untergraben. Mitunter trägt auch ungenaue Berichterstattung über das ganze Thema dazu bei, dass Vorurteile geschürt und Zusammenhänge falsch verstanden werden oder im Verborgenen bleiben. Ein Beispiel ist der Beitrag der HNA, in der es um die Blitzerbilanz des Werra-Meißner-Kreises in Nordhessen geht.So spricht der Verfasser von “Verlustgeschäften” für den Kreis in Sachen Verkehrsüberwachung in den Jahren 2012 und 2013. Unklar bleibt, ob diese Worte mit zu wenig Bedacht vom Autoren selber gewählt oder vom befragten Beamten des Kreises in den Raum geschmissen wurden.

Das sagt bastelblitzer.de: Egal, wer den Begriff ins Spiel gebracht hat, das Wort “Verlust” ist hier unzulässig, wenn davon ausgegangen wird, dass Verkehrsüberwachung der Sicherheit dient und nicht der Erzielung von Einnahmen. Mehr als das sogar: Bleibt bei der Rechnung “Vereinnahmte Verwarn- und Bußgelder minus Kosten für die Verkehrsüberwachung” nach Jahren von Fehlbeträgen plötzlich wieder ein Überschuss, so sind entweder die Messstellen so gewählt, dass  mehr Tempoüberschreiter pro Zeit erwischt wurden oder die Autofahrer tendenziell schneller unterwegs gewesen sind. Beispielsweise könnten auch einfach die Kosten der Überwachung gesunken sein, etwa durch den Abschluss einer Partnerschaft mit einem Unternehmen, dass derartige Messgeräte vermietet. Reparaturen und Wartung sind dann wegfallende Fixkosten. Ein rein rechnerisch positives Ergebnis für den Kreis muss also noch lange nicht ein positives im Sinne der Regeltreue stehen, im Gegenteil: Je höher der Überschuss, desto mehr waren doch zu schnell unterwegs! Es ist also gefährlicher dort geworden.

Ferner ist in dem Artikel zu lesen, dass die Kommune seit etwa einem Jahr mit einem neuen Messgerät arbeitet. Dies arbeite so, dass der Blitz kaum noch erkennbar sei. Es ist wohl einer der am meisten diskutierten Fragen, wie sehr ein Verwarngeldbescheid, der  den Betroffenen erst nach einigen Wochen nach dem zur Last gelegten Vorwurf erreicht, noch eine erzieherische Wirkung erzielt. Wenn nun auch noch im Moment des mutmaßlichen Verstoßes nicht einmal ein Blitz zu sehen ist, kann der Betroffene weder im Moment des Verstoßes noch beim Eintreffen des Bußgeldbescheids mehr nachvollziehen, was er wann eigentlich wie sehr falsch gemacht hat. Das dürfte den erzieherischen Effekt zusätzlich schmälern. Dieser Zusammenhang  bleibt im Artikel unerwähnt. Auch für folgendes Zitat des Beamten fehlt im Sinne von mehr Akzeptanz von Verkehrsüberwachung eine Einordnung: „Da jetzt (mit dem neuen Messgerät, Anm. d. V.) aber immer ein Foto des Fahrers dabei ist, haben wir deutlich weniger Einsprüche.” Warum es zuvor keine Fotos des Fahrers gegeben hat, gibt es hoffentlich eine plausible Erklärung. Diese bleibt der Artikel aber schuldig. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass durch die neue Technik Einsprüche quasi sinnlos sind. Die Umstellung auf eine andere Messtechnik ist aber zunächst überhaupt kein Anhaltspunkt dafür, dass die Messungen zwangsweise besser werden.

Es soll hier nicht darum gehen, den Verfassern solcher meist der  Lokalberichterstattung zuzuordnenden Meldungen etwas zu unterstellen, sondern vielmehr die Autoren und die Leser solcher Meldungen dafür zu sensibilisieren, dass auch die Berichterstattung über Verkehrsüberwachung ein Teil der in der Bevölkerung bestehenden Akzeptanz von Messungen ausmacht. Und das Ziel, dass möglichst wenige Menschen auf der Straße zu Schaden kommen, am ehesten erreicht wird, wenn die Akzeptanz größtmöglich ist.

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